Würzburg; Quelle: Petra/Pixabay
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CONSUL-Meetup kompakt: Plattform-Updates und Best Practice aus Würzburg

Mit dem monatlichen CONSUL-Meetup von demokratie.today hat sich ein neues Format etabliert, das Kommunen gezielt zusammenbringt: für kurze Produkt-Updates, Best-Practice-Einblicke und vor allem für den offenen Erfahrungsaustausch zur Weiterentwicklung der CONSUL-Beteiligungsplattform.

Beim Meetup Anfang März standen zwei Themen im Mittelpunkt: die anstehenden Weiterentwicklungen der Plattform (inkl. KI-Funktionen und Backend-Relaunch) sowie der Blick nach Würzburg als Beispiel, wie Bürgerbeteiligung konsequent in eine Smart-City-Strategie integriert werden kann.

Was sich bei CONSUL weiterentwickelt

KI-Assistent für bessere Vorschläge: in mehreren Schritten statt „ein Formular“

Ein zentrales Entwicklungsfeld ist eine neue KI-Anwendung für die Erstellung von Vorschlägen, die nicht mehr nur „Textfeld ausfüllen und absenden“ ist, sondern als mehrstufiger Prozess gedacht wird. Grundlage ist u. a. der Impuls aus einer Masterarbeit, die gezeigt hat: ein gestuftes Vorgehen kann inklusiver sein und die Qualität von Beiträgen verbessern.

Kernidee: Kommunen können projektbezogene Kriterien hinterlegen, von „gemeinwohlorientiert“ bis zu klaren Ausschlusskriterien. Die KI unterstützt Bürger*innen dann dabei, aus wenigen Angaben einen besseren Textentwurf zu erstellen und gibt im nächsten Schritt eine Kriterienbewertung aus.

Warum ist das relevant?
Gerade in Formaten wie Bürgerbudgets kann das zwei Effekte haben:

  • Qualität rauf: Weniger „Zwei-Satz-Ideen“, mehr nachvollziehbare Vorschläge.
  • Verwaltungsaufwand runter: Eine erste Vorprüfung entlang der Kriterien kann entlasten, besonders bei sehr hohen Fallzahlen.

Backend-Relaunch: Rollen, Rechte, Dashboards – klarer und flexibler

Parallel steht ein größerer Umbau des Backends kurz vor dem Rollout. Ziel ist eine saubere Trennung zwischen:

  • globaler Administration (Plattform-Einstellungen, Navigation, Metadaten etc.)
  • Dashboard-spezifischen Adminrechten (z. B. Projektmanagement, Ideenplattform, Mängelmelder, Moderation)
  • Projektmanager-Rollen, die nur die jeweils zugewiesenen Projekte sehen und bearbeiten.

Damit wird ein typisches Organisationsproblem adressiert: In vielen Verwaltungen sollen einzelne Bereiche „ihr“ Dashboard administrieren können, ohne Zugriff auf die komplette Plattformkonfiguration zu erhalten. Genau dafür wird diese Zwischenstufe an Adminrechten pro Dashboard eingeführt.

Würzburg: Bürgerbeteiligung als Baustein der Smart-City-Strategie

Interkommunal gedacht: Stadt + Landkreis als „smarte Region“

Würzburg verankert Beteiligung in einem interkommunalen Smart-City-Programm: Stadt und Landkreis arbeiten gemeinsam – mit dem Anspruch, Lösungen für über 50 Gemeinden und die Ortsteile mitzudenken. Gleichzeitig prägt der Entstehungskontext (Pandemie) einen klaren Fokus auf soziale Resilienz und Teilhabe.

CONSUL wird in Würzburg seit Ende 2020 genutzt; 2022 wurde das Thema „Mitmachen“ inklusive Plattform in das Smart-City-Programm übernommen. Dabei ist die Aufgabenverteilung bemerkenswert pragmatisch: Das Team versteht sich vor allem als Integrator und Enabler, der Fachbereichsinhalte digital überträgt, und nicht als Fachstelle, die Formate „erzwingt“.

Mehr Akzeptanz durch Zielgruppen- und Inhaltsfokus statt „Betreiber-Logik“

Ein spannender Hebel war die Marken- und Designstrategie: Würzburg berichtet, dass Menschen sich für Inhalte interessieren und nicht dafür, ob Stadt oder Landkreis Betreiber sind. Eigentlich logisch, doch oft in der Umsetzung nicht berücksichtigt. Daraus folgt ein konsequenter Zielgruppenfokus und ein einheitlicher Auftritt über mehrere digitale Angebote hinweg, inklusive einer „aufgeräumteren“ Einführung für Erstnutzer*innen auf der Beteiligungsplattform.

Projekte, die Reichweite und Tiefe zeigen

Zwei Beispiele aus der Praxis verdeutlichen, wie Beteiligung in Würzburg funktioniert:

  • „Wohlfühlen in Würzburg“: eine breit angelegte Umfrage mit der Universität – Ziel waren 2.000 vollständige Fragebögen, erreicht wurden über 3.200. Auffällig: Trotz 15 bis 20 Minuten Bearbeitungszeit war die Beteiligung hoch, wenn Kommunikation und Abholung stimmen.
  • Mobilitätsplan (Ende 2024 gestartet): Ein erstes Projekt führte zu Folgeformaten; innerhalb eines Projektrahmens wurden bereits neun Beteiligungen umgesetzt – mit Kommunikation vorab, begleitender Information und Aufbereitung im Nachhinein. Das stärkt Glaubwürdigkeit, weil Beteiligung als Prozess erlebbar wird.

Die Würzburger Investition mit Signalwirkung: die universelle API

Ein technischer Meilenstein ist die universelle API inkl. Dokumentation mit dem Ziel, CONSUL stärker in die kommunale Systemlandschaft einzubetten. Kurz gesagt: Daten und Inhalte sollen nicht mehr in Silos stecken, sondern zwischen Tools fließen.

Würzburg ordnet das in den „Smart City Hub“ ein: als digitales Rückgrat, auf dem Open-Source-Lösungen betrieben und in die Verwaltung gebracht werden. Die API macht dabei zwei Dinge einfacher:

  • Export: Daten aus CONSUL (z. B. Beteiligungsinhalte) können in andere Systeme übernommen werden, etwa ein Open-Data-Portal.
  • Integration & Automatisierung: Inhalte können automatisiert in andere Kanäle gespielt werden. Beispielhaft genannt wurden Eventplattform/Veranstaltungskalender, Social Media oder digitale Stelen. Ziel ist „einmal eingeben, mehrfach nutzen“.

Begleitung aus der Praxis: Achim Gebhardt und die cima.digital

Die Diskussion zeigt: Weiterentwicklung gelingt dann besonders gut, wenn Kommunen ihre Anforderungen teilen:  technisch, organisatorisch und kommunikativ. Genau dafür ist das Format gedacht: im monatlichen Rhythmus, Praxisbeispielen aus Kommunen und einem offenen Austausch zu Use Cases, Hürden und Lösungen

Moderiert wird die Veranstaltungs-Reihe von Achim Gebhardt, Leiter der cima.digital, der Kompetenzabteilung der CIMA für digitale Bürgerbeteiligung, von der Einbettung in Strategie und Verwaltungslogik bis zur konkreten Projektbegleitung (Formate, Prozessdesign, Aktivierung, Verstetigung).

Wenn Sie beim nächsten Termin dabei sein möchten oder Unterstützung bei Konzeption und Umsetzung eines Beteiligungsprojekts suchen: Melden Sie sich gerne beim Team der cima.digital: wir begleiten Sie strukturiert, pragmatisch und mit Blick auf die Realität Ihrer Verwaltung.

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cima.digital ist das Frankfurter Büro der CIMA Beratung + Management GmbH und richtet seinen Fokus auf kooperative Online-Strategien für Städte, Regionen und Handel. Das Redaktionsteam bereitet Nachrichten zu unserem Beratungsschwerpunkt auf und pflegt unsere Wissensdatenbank zu digitalen (City-)Initiativen.

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