Aus der Schublade auf die Straße – Innenstadtumbau, der ankommt
Wie gelingt Innenstadtumbau, wenn Baustellen den Alltag prägen, Händlerinnen und Händler informiert bleiben müssen und die Stadtgesellschaft mitgenommen werden soll? Im Interview spricht cima-Quartiersmanagerin Solveig Lüthje über die Herausforderungen und Chancen von Transformationsprozessen in Innenstädten, über gelungene Baustellenkommunikation und darüber, welche Impulse das cima.praxisforum online für Kommunen, Stadtmarketing und Innenstadtakteure bereithält.
Aus der Schublade auf die Straße – Innenstadtumbau, der ankommt
Wie gelingt Innenstadtumbau, wenn Baustellen den Alltag prägen, Händlerinnen und Händler informiert bleiben müssen und die Stadtgesellschaft mitgenommen werden soll?...
1. Frau Lüthje, viele Innenstadtkonzepte liegen fertig in der Schublade. Warum ist gerade der Weg in die Umsetzung für Kommunen oft die eigentliche Bewährungsprobe?
Vorbereitung ist alles, grundsätzlich sind vorbereitete Konzepte ja gut, denn wenn finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, kann es direkt losgehen. Ein Konzept kann dann aber noch so gut sein, wenn es nicht mit Zeitbudget, klaren Zuständigkeiten, Manpower, Fachwissen, Erfahrung und einem verbindlichen Prozess hinterlegt ist.
In der Umsetzung treffen dann viele Realitäten aufeinander: komplexe Abstimmungsprozesse zwischen den Akteuren und nicht zuletzt auch Erwartungen der Öffentlichkeit. Die eigentliche Bewährungsprobe besteht darin, aus einem strategischen Papier ein kontinuierlich gesteuertes Projekt zu machen, mit klaren Prioritäten, transparenter Kommunikation und der Fähigkeit, flexibel auf konkrete Situationen vor Ort zu reagieren.
2. Sie stellen im Praxisforum das Beispiel Bad Endorf vor. Was zeigt dieses Projekt darüber, wie anstehende, große Baustellen und ihre Beeinträchtigungen angegangen werden können?
Bad Endorf zeigt sehr anschaulich, dass vor einer solchen Baustelle zunächst eine große Unsicherheit herrscht. Was kommt konkret auf mich zu? Was sind die Einschränkungen? Warum passiert das? Wie lange geht es?
Die Baustellenkommunikation sorgt für Transparenz und Orientierung. Sie erklärt was passiert, warum und was das konkret im Alltag bedeutet. Unser Ortskernmanagement setzt auf eine kontinuierliche Begleitung vor Ort, also in regelmäßigen Austausch mit Anliegenden, Gewerbe, Bürgerschaft und Verwaltung.
Entscheidend ist dabei die Beteiligung: nicht im Sinne eines einmaligen Formats, sondern als kontinuierlicher Dialog. Wenn es gelingt, frühzeitig zu informieren, Anliegen ernst zu nehmen und feste Ansprechpartner zu schaffen, entsteht langsam Vertrauen, dass sich jemand wirklich kümmert und das ist die zentrale Voraussetzung für Akzeptanz, gerade in sensiblen Phasen wie während einer Bauzeit.
3. Im Webinar geht es auch um Freising und Karlsruhe. Was können kleine, mittlere und große Städte voneinander lernen, wenn Umbau nicht nur geplant, sondern im laufenden Betrieb erfolgreich gesteuert werden soll?
Die Projekte zeigen, dass die Grundprinzipien unabhängig von der Stadtgröße sehr ähnlich sind. Die Differenzierung erfolgt im Detail.
Kleinere Gemeinden wie Bad Endorf profitieren oft von kurzen Wegen und einem engen Netzwerk vor Ort. Mittelstädte wie Freising zeigen, wie wichtig strukturierte Prozesse und klare Verantwortlichkeiten sind. Und größere Städte wie Karlsruhe bringen häufig komplexe Kommunikations- und Steuerungsansätze mit, insbesondere im laufenden Betrieb.
Lernen können die Kommunen voneinander vor allem in drei Punkten:
- Erstens in der Verbindlichkeit der Umsetzung, also klare, nachvollziehbare Schritte.
- Zweitens in der kontinuierlichen Kommunikation, nicht nur punktuell, sondern als begleitender Prozess.
- Und drittens im Umgang mit Dynamik: Innenstadtumbau ist kein statisches Projekt, sondern verlangt laufende Anpassung, Steuerung, aber vor allem Anpacken und Machen für das Morgen.
Genau dort entscheidet sich letztlich der Erfolg, nicht im Konzept, sondern im Alltag der Umsetzung.
cima.praxisforum – Fachimpulse, Praxiswissen und Austausch
Die Veranstaltungsreihe cima.praxisforum bietet Raum für aktuelle Themen, praxisnahe Einblicke und den direkten Austausch mit Fachleuten. Ob online oder vor Ort: In kompakten Formaten zeigen wir erprobte Lösungen, gute Beispiele und neue Perspektiven für Kommunen, Regionen und Innenstadtakteure.
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