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Mehr als nur Lückenfüller: Warum Städte gezielte Gastrokonzepte brauchen

Gastronomie ist in vielen Städten längst zur neuen Schlüsselnutzung geworden, doch ihre Entwicklung geschieht häufig ungeplant. Während Einzelhandelsflächen zunehmend leer stehen, fehlt es vielerorts an einer klaren Strategie, wie Gastronomie zu Aufenthaltsqualität, Frequenz und Identität beitragen kann. Die cima hat sich deshalb mit dem Spezialisten Progacon zusammengetan, um gemeinsam Gastronomiekonzepte für Innenstädte zu entwickeln. Der folgende Beitrag zeigt, warum es gezielte Gastrokonzepte braucht – und wie Kommunen davon profitieren.

Die Ausgangslage: Rückzug des Handels, Aufwertung der Gastronomie

Die strukturellen Veränderungen in den Innenstädten sind offensichtlich: Der Einzelhandel verliert zunehmend an Relevanz, klassische Kaufhäuser schließen, und neue Nutzungsideen sind vielerorts gefragt. Gastronomische Angebote gewinnen parallel an Bedeutung – nicht nur als Versorger, sondern als soziale Ankerpunkte, Identitätsstifter und Impulsgeber.

Gleichzeitig zeigt sich eine widersprüchliche Entwicklung: Während Umsätze im Gastgewerbe steigen, geht die Zahl klassischer Gastronomiebetriebe zurück. Insbesondere inhabergeführte Restaurants kämpfen mit Fachkräftemangel, gestiegenen Betriebskosten und bürokratischen Hürden. Die Folge: eine zunehmende Banalisierung des Angebots.

Herausforderungen in der kommunalen Praxis

In vielen Städten wird die gastronomische Entwicklung weitgehend den Eigentümern, Maklern oder dem Markt überlassen. Es fehlt an:

  • einer kommunalen Vision für Gastronomie
  • belastbaren Flächenkennziffern oder Standortstrategien
  • Wissen über Zielgruppenbedürfnisse und städtebauliche Potenziale
  • tragfähigen Dialogstrukturen mit Eigentümer*innen und Betreibenden

Hinzu kommt, dass viele Kommunen bei der Flächenvergabe vor allem auf kurzfristige Mietlösungen setzen, ohne strategische Überlegungen zu Funktion, Frequenzwirkung oder Angebotsvielfalt zu berücksichtigen. Dabei wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Gastronomie nicht als Ersatz für den Handel, sondern als eigenständigen Entwicklungsmotor zu denken.

Vom Zufall zur Strategie: Was ein Gastrokonzept leistet

Ein professionelles Gastrokonzept versteht sich als Analyse-, Planungs- und Umsetzungsinstrument. Es beantwortet zentrale Fragen:

  • Welche Rolle spielt Gastronomie im räumlichen Gefüge der Innenstadt?
  • Welche Betriebstypen passen zu welchen Standorten?
  • Wo besteht Überangebot, wo Nachholbedarf?
  • Welche Betreiberstrukturen sind realistisch und tragfähig?
  • Welche Rahmenbedingungen sind erforderlich, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen?

Die Erstellung eines Konzepts erfolgt in mehreren Phasen:

  1. Analyse des Bestands: Typisierung bestehender Betriebe, Standortqualitäten, Angebotslücken.
  2. Zielbilder und Nutzungscluster: Entwicklung quartiersbezogener Leitbilder (z. B. „Genussviertel“, „To-Go-Achse“, „Familiäre Mitte“).
  3. Standortbewertungen & Priorisierungen: SWOT-Analysen zur Potenzialbewertung einzelner Lagen.
  4. Umsetzung und Ansiedlungsbegleitung: gezielte Betreiberansprache, Matching mit Eigentümern, Vermeidung von Fehlentwicklungen.

Zentral ist dabei nicht die Steuerung per Bebauungsplan – denn juristisch lassen sich einzelne Gastrotypen kaum regulieren – sondern die moderative, beratende Begleitung der Entwicklung. Ziel ist eine Koordination zwischen Stadt, Eigentum und Gastronomie.

Best-Practice: Kommunen setzen auf strategische Gastroentwicklung

Volkspark Hagen – Vom Leerstand zum StadtmittelpunktIn Hagen wurde eine leerstehende städtische Immobilie nicht einfach über Immobilienportale vermarktet, sondern in einem Interessenbekundungsverfahren ausgeschrieben – auf Basis eines klaren Leitbildes. Über 30 Bewerbungen zeigten, dass gute Visionen auch gute Betreiber anziehen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Heute entsteht dort ein Gastroformat mit hoher Aufenthaltsqualität und identitätsstiftender Wirkung – ganz im Sinne der Stadtentwicklung.

Willy-Brandt-Platz Essen – Markthalle statt ZwischenlösungAm Hauptbahnhof Essen wünschte sich die Stadt Außengastronomie zur Belebung eines zentralen Platzes. Die Eigentümer jedoch hatten zunächst keine konkreten Vorstellungen. Erst die enge Zusammenarbeit von Stadt, Eigentümer*innen und Progacon führte zu einer tragfähigen Lösung: Die Integration einer Markthalle kombiniert Nahversorgung, Gastronomie und Frequenzbringer – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Hanau – Mit einem Bistro zur Belebung der InnenstadtIn Hanau wurde im Rahmen von „Hanau aufLADEN“ die Ansiedlung eines inhabergeführten Bistros in einer städtischen Immobilie konzeptionell begleitet. Eine Standortbewertung zu Frequenz, Fläche, baulicher Situation und Außenbereichen bildete die Basis für ein tragfähiges Nutzungskonzept, ergänzt durch Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsprüfung. Parallel wurde ein Mietinteressent fachlich bewertet und im Prozess unterstützt. So erhielt die Stadt eine belastbare Entscheidungsgrundlage und konnte die Immobilie im Sinne der Innenstadtziele aktivieren – mit einem Angebot, das Profil schafft und die Aufenthaltsqualität stärkt.

Weiden – Gastrostrategie für ein Innenstadt-ShoppingcenterIn Weiden i. d. Oberpfalz entstand im Auftrag eines internationalen Entwicklers ein integriertes Gastronomiekonzept für ein innerstädtisches Einkaufszentrum. Aufbauend auf Analysen zu Frequenzen, Lagen und Sichtachsen wurden Flächenaufteilung und Erschließung optimiert und passende Formate sowie potenzielle Betreiber abgeleitet. Ergänzend wurden Ansätze für die Außengastronomie entwickelt. Das Ergebnis ist ein strategisch abgestimmter Gastronomiemix als fester Bestandteil der Gesamtplanung, der Frequenz und Attraktivität des Standorts stärkt.

Standortberatung statt FlächenverwertungIn vielen Städten beobachtet man die reflexhafte Nachvermietung ehemaliger Handelsflächen mit standardisierten Gastro-Angeboten – ohne Standortstrategie. In Zusammenarbeit mit Kommunen zeigt sich jedoch vielerorts: Mit einem gezielten Steckbriefverfahren können Flächen passgenauer vergeben, Eigentümer sensibilisiert und qualitative Angebote bevorzugt entwickelt werden.

 

Fazit: Gastronomie ist Stadtentwicklung – wenn man sie strategisch denkt

Ein Gastrokonzept ersetzt nicht die Gastronom*innen. Aber es gibt Kommunen ein Instrument an die Hand, um aus Reaktion Gestaltung zu machen. Es schafft Klarheit über Potenziale, bringt Akteure in den Dialog und ermöglicht passgenaue Ansiedlungen – vom Café am Marktplatz bis zum urbanen Foodcourt.

Gerade vor dem Hintergrund leerfallender Handelsflächen, veränderter Zielgruppenbedürfnisse und touristischer Anforderungen wird deutlich: Innenstadtbelebung ohne gastronomisches Konzept ist kaum noch denkbar.

Wer heute handelt, statt abzuwarten, gestaltet die Innenstadt von morgen – mit Geschmack, Qualität und strategischem Weitblick.

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Autor*in

Martin Kremming

cima // Geschäftsführer, Partner

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